Qualität der Lehre

Wir sind alle an die Universität gekommen, um etwas zu lernen. Natürlich passieren uns in Heidelberg und an der Uni auch viele andere Dinge, aber im Zentrum unserer Bemühungen muss stehen, nachhaltig und so viel wie möglich unter angemessenen Bedingungen lernen zu können. Deshalb ist es aus unserer Sicht die wichtigste Aufgabe studentischer Senatsmitglieder, sich für die kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Lehre einzusetzen.

Die Universität hat zwar eine große Verwaltungseinheit, heiQUALITY, die die Qualität der Lehre anhand formaler Kriterien feststellen soll (also sog. Akkreditierungen durchführt). Aus unserer Sicht gibt es aber große Probleme damit, wie die Daten für diese Qualitätsprüfungen erhoben werden, wie die Prüfungsverfahren ablaufen und wie mit den Ergebnissen umgegangen wird. Ein Bericht der Verfassten Studierendenschaft aus 2019, an dessen Erstellung auch einige Kandidaten unserer Liste mitgewirkt haben, fasst viele dieser Probleme zusammen. Dass diese Probleme von der Verwaltung ernsthaft adressiert werden, halten wir für wichtig für die zukünftige Qualität der Lehre.

Auch die Evaluationen stellen ein Instrument zur Verbesserung der Lehre dar. Die meisten Fakultäten lassen ihre Evaluationen durch heiQUALITY durchführen. Dabei erhalten die Studienkommissionen nur einen aggregierten Bericht, der keinen Rückschluss auf die einzelnen Veranstaltungen zulässt. Gerade das wäre aber notwendig, um Probleme in einem Studiengang zielgenau anzugehen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die gesamten Evaluationsergebnisse eines Studiengangs der jeweiligen Studienkommission zur Verfügung stehen.

Ein gutes Beispiel stellt die Physik dar. Hier wird die Evaluation nicht durch heiQUALITY, sondern durch die Fachschaft - in Zusammenarbeit mit der Fakultät - durchgeführt. Die Fragen sind an die Fachspezifika angepasst und der Studienkommission stehen alle Ergebnisse zur Verfügung. Jede Dozentin und jeder Dozent wird gefragt, ob sie oder er einer Veröffentlichung seiner Ergebnisse zustimmt. Die Ergebnisse derer, die zugestimmt haben, werden veröffentlicht. Dieses Vorgehen wünschen wir uns für alle Fakultäten.

Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, dass gute Lehre auch außerhalb der Akkreditierungsverfahren als Tugend respektiert und anerkannt wird. Eine solche Anerkennung kann viele Formen annehmen, z.B. durch prominentere Platzierung von lehrbezogenen Themen bei Veröffentlichungen und Veranstaltungen für die Universitätsöffentlichkeit. Es gibt bereits eine große Anzahl Dozierender an unserer Universität, die unter großem Einsatz und großer Mühe hervorragende Lehre erbringen, und diese Leistungen sollten – im Vergleich zu z.B. Verdiensten in wissenschaftsbürokratischen Verteilungskämpfen – nicht stiefmütterlich behandelt werden.

Und um einen sehr aktuellen Aspekt aufzugreifen: In der derzeitigen Lage zeigen sich nach unserer Lesart der öffentlichen Debatte Begehrlichkeiten, universitäre Lehre unter dem Stichwort der Digitalisierung tiefgreifend und überstürzt zu verändern. Im Zentrum dieser Überlegungen scheinen weniger die Qualität der Lehre zu stehen als ökonomische und ideologische Interessen. Aspekte digitaler Lehre sind natürlich nicht grundsätzlich abzulehnen und haben auch gut begründete Anwendungen. Digitalisierung darf aber nicht dazu instrumentalisiert werden, Lehre langfristig aus Räumlichkeiten der Universität herauszuverlagern, nur um Gebäudesanierungs- und Heizkosten einzusparen oder andere ideologische Gelüste zu befriedigen. Ultimativ muss die Entscheidung darüber, wie und in welchem Umfang digitale Lehre genutzt wird, bei den Studienkommissionen der einzelnen Fächer liegen und angepasst an die Umstände jedes einzelnen Studiengangs gefällt werden.