Transparenz

Es gibt in vielen Gremien Themen, bei denen es ein berechtigtes Interesse daran gibt, sie vertraulich zu behandeln, Personalentscheidungen sind hier das offensichtliche und unbestrittene Beispiel. Warum die Sitzungen des Senats aber grundsätzlich und vollständig nicht-öffentlich stattfinden, ist nicht einzusehen und sucht im politischen System der Bundesrepublik vergeblich sein Ebenbild. Dieses Vorgehen erscheint uns nicht nur unbegründet, es führt auch zu einem zusätzlichen Machtgefälle zwischen Verwaltung und Professorenschaft auf der einen und Studierenden auf der anderen Seite: Denn während die Erstgenannten aufgrund der engen Vernetzung an Instituten und Arbeitsplätzen Entwicklungen aus dem Senat informell weitergeben können, bleibt eine vergleichbare Möglichkeit den Studierenden verwehrt, da eine Veröffentlichung „geheimer“ Informationen nicht möglich ist (und es nicht möglich ist, Informationen von vier studentischen Senatsmitgliedern informell auf 30.000 immatrikulierte Studierende zu verteilen).

Für den Ablauf der Senatssitzungen und der einer Reihe anderer Gremien und Ausschüsse gibt es umfassende Regelwerke, die unter anderem auch die Beteiligung studentischer Stimmen festschreiben. In den letzten Jahren gab es allerdings einen Trend, Entscheidungskompetenzen von diesen Gremien in weniger regulierte Gremien (meist sog. Arbeitsgruppen) zu verlagern oder direkt Verwaltungsstellen entscheiden zu lassen. Das entzieht nicht nur den ursprünglichen Gremien ihren Sinn und vergeudet die Zeit der entsprechenden Gremienmitglieder, sondern beraubt in vielen Fällen auch die Studierenden ihrer Teilhabe an Entscheidungsprozessen. Außerdem sind Informationen über diese Arbeitsgruppen kaum zu erhalten, obwohl ihre Entscheidungen oft den Spielraum anderer Gremien beschneiden.

In diesem Sinne wollen wir uns für mehr Transparenz in universitären Entscheidungsprozessen einsetzen. Das umfasst sowohl die konkrete Ausgestaltung universitärer Entscheidungsstrukturen als auch den allgemeinen Konsens über den inneruniversitären Umgang mit Informationen.