Zukunft

Universitäre Ausbildung ist in den letzten Jahren eine Realität für immer größere Teile der Bevölkerung geworden und "die Wissenschaft" ist derzeit in aller Munde. Zukunftsplanung – oder um das Buzzword zu benutzen, Strategieplanung – wird aber weiterhin in verschlossenen Gremien erstellt und in erster Linie als Instrument zur Abgrenzung gegen andere Universitäten im Wettbewerb um Fördergelder betrachtet.

Wir glauben nicht, dass der nachhaltige Erfolg der Universität Heidelberg und allgemein der Universitäten in Deutschland an ihrem Ergebnis in internationalen Forschungsrankings, die ein Jahr später bereits durch neue Iterationen ersetzt sein werden, bemessen werden wird. Bei ihrer Gründung 1386 war das Revolutionäre nicht, dass einige Theologen nettere Büros bekommen haben, in denen sie lange Bücher schreiben konnten, sondern dass es erstmals auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands einen Ort gab, an dem Wissen gesammelt, strukturiert und weitergegeben wurde. Als größtes Verbrechen an der Universität Heidelberg ging nicht das Abwerben irgendeines versierten Forschers oder Forscherin ein in die Geschichte ein, sondern der Raub der Bibliotheca Palantina, zu ihrer Zeit die größte Bibliothek Deutschlands. Und eine Bibliothek dient nicht dazu, Spitzenforschung zu betreiben, sondern dazu das Wissen des Autors an die Leser und die Welt weiterzugeben.

Die Geschichte der Universität Heidelberg ist aus unserer Sicht vor allem eine Geschichte der Weitergabe und Demokratisierung von Wissen. Ihr Erfolg bemisst sich an dem Nutzen, den die Universität ihren Angehörigen und der breiteren Gesellschaft bieten kann. Damit drängen sich Fragen auf über die effektive Vermittlung von Wissen und Fragestellungen rund um open science und nicht darüber, wie wir am effizientesten Forschungsfinanzierung von Bund und Ländern abgreifen können.

Es liegt zwar in der Natur der Zukunft, dass sie ungewiss ist, und wir können keinen besseren Anspruch darauf erheben sie zu kennen als die Rektoren und Professoren dieser Welt. Wir können uns aber in jedem Fall dafür einsetzen, dass die Zukunft der Universität im Zentrum jeder Zukunftsplanung steht und weniger das Prestige derjeniger, die die Zukunftsplanung verfassen.